ASB Magazin
März 2024
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© ASB Südheide

Einsatz in den Hochwassergebieten

Samariter:innen halfen in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen

Evakuierte Dörfer, durchweichte Deiche, gefüllte Talsperren, überflutete Wiesen und Felder: Das Hochwasser Ende 2023 führte in zahlreichen Regionen des Landes zu einer angespannten Lage – noch bis in das neue Jahr hinein – und stellte den Katastrophenschutz in Deutschland wieder vor herausfordernde Aufgaben. 

Zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte des ASB waren in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen im Einsatz und halfen bei der Deichsicherung, stellten die Logistik und versorgten mehrere Hundert Helferinnen und Helfer mit Mahlzeiten – alles im 24-Stunden-Betrieb. „Unsere Hilfe ist selbstverständlich! Denn wer gibt, bekommt auch Hilfe zurück, wenn man diese selbst mal benötigt“, betont Daniel Schweigert, Leitung Rettungsdienst/Katastrophenschutz beim ASB Salzlandkreis. 

Außerdem errichteten Einsatzkräfte des ASB für die Helferinnen und Helfer Großzelte und bereiteten sich auf mögliche Evakuierungen infolge drohender Deichbrüche vor. Der ASB Südheide unterstützte in Niedersachsen den Rettungsdienst mit einem wattfähigen Unimog, um vom Wasser abgeschnittene Ortschaften zu erreichen und die Notfallrettung aufrechtzuerhalten. „Das Schlimmste waren die Angst und die Sorgen in den Gesichtern der Anwohnerinnen und Anwohner. Das Beste war die selbstlose Hilfsbereitschaft unserer ehrenamtlich Aktiven und der vielen Zivilist:innen. Und nach dem kräftezehrenden Einsatz war es das ‚Dankeschön‘ der Betroffenen an den ASB. Ganz besonders beindruckt hat mich persönlich, zu sehen, wie wir alle gewachsen sind und als ein starkes Team agiert haben“, beschreibt Kathrin Klahr, Zugführerin beim ASB-Regionalverband Mansfeld-Südharz, den Einsatz vor Ort. Doch wie gut ist der Katastrophenschutz in Deutschland überhaupt aufgestellt? Michael Schnatz, Fachbereichsleiter Bevölkerungsschutz beim ASB-Bundesverband, beantwortet wichtige Fragen. 

Welche Rolle spielen Hilfsorganisationen wie der ASB im Katastrophenschutz?
Die Krisen und Katastrophen der letzten Jahre haben gezeigt, dass wir in Deutschland ein leistungsfähiges System haben, das zu 90 Prozent auf ehrenamtlichem Engagement fußt. Hier sind der ASB und die weiteren Hilfsorganisationen von entscheidender Bedeutung. Die Krisen und Katastrophen haben aber auch gezeigt, dass es große Schwachstellen im zentralen Krisenmanagement gibt, dass die Ausstattung der Hilfsorganisationen verbessert, rechtliche Rahmenbedingungen wie die bundeseinheitliche Helfendenfreistellung reformiert und die Resilienz der Bevölkerung gesteigert werden müssen. Darüber hinaus müssen die Ausbildungskonzepte für Einsatzkräfte reformiert werden, daran arbeitet der ASB bereits seit mehreren Jahren. Besonders die Hochwasserkatastrophe 2021 und die Ukraine-Flüchtlingslage haben deutlich gemacht, dass zum Beispiel in der Langzeitbetreuung Betroffener Nachholbedarfe bestehen und eine Lücke im Übergang von Akut- zu langfristiger Hilfe geschlossen werden muss. 

Ist ein Ausbau der Katastrophenvorsorge aufgrund zunehmender Extremwetterereignisse nötig? Müssen mehr Mittel für den Katastrophenschutz bereitgestellt werden?
Das Thema Katastrophenvorsorge wurde in Deutschland jahrzehntelang stiefmütterlich behandelt. Es zeigt sich allerdings, dass genau dies eine der Säulen ist, um die Bevölkerung insgesamt widerstandsfähiger, resilienter, zu machen. Der ASB führt darum sehr erfolgreich sogenannte Module aus der „Ersten Hilfe mit Selbstschutzinhalten (EHSH)“ durch. In diesen Modulen lernen Menschen, wie man sich in Krisen und Katastrophen richtig verhält, was zu einer vernünftigen individuellen Bevorratung gehört und wie man sich und anderen helfen kann. Daneben braucht es mehr finanzielle Mittel, um Wärmestuben oder Kühloasen mit der Betreuung von Menschen wirklich zur Verfügung stellen zu können, wenn jene gebraucht werden.

Wie kann die Bevölkerung besser auf Katastrophen vorbereitet werden?
Katastrophenvorbeugung ist immer von zwei Seiten zu betrachten: einmal als individuelle Vorbereitung durch Bevorratung, das Bereithalten eines Notfallrucksacks, das Wissen, welche Dokumente man im Fall einer Evakuierung mitnehmen muss und wie man an Informationen kommt. Die andere Seite ist eine gemeinschaftliche Vorbereitung: Weiß ich, wo hilfebedürftige Menschen in meiner Umgebung leben, wie kann ich in Nachbarschaften helfen, wie können Gruppen interagieren, um in Krisen und Katastrophen zu unterstützen, wenn der klassische Katastrophenschutz an anderer Stelle ausgelastet ist? Prävention ist das beste Mittel, um für Katastrophen gerüstet zu sein. 


Text: Nadine Koberstein